Was Nietzsche vergaß…
16. Dezember 2009
„Jenseits von Gut und Böse ist in Wahrheit nichts anderes zu erfahren als noch mehr Böses.“
Gimlet Gegen Grippe
14. Dezember 2009
“ Gimlet is a common name for gin laced with lime juice cordial. It comes from the name of the naval surgeon – Gimlette – who introduced this drink as a means of inducing his messmates to take lime juice as an anti-scorbutic. Sir Thomas D Gimlette, KCB, joined the Navy in October, 1879, as a Surgeon; he retired in June, 1913, as a Surgeon General.“
Habe es ausprobiert. Es funktioniert.
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Der Niemals-Fertige
13. Dezember 2009
Keiner erfasst den Menschen. Er liegt niemals fertig vor uns wie ein Endprodukt vor uns liegt, damit wir ihm mit Lineal, Waage und Skalierung zu Leibe rücken können, um seine Maße nun endgültig zu bestimmen und einzuordnen. In ihm schlummert immer das Potential, die Möglichkeit. Er könnte sich doch noch ändern. Er ist nicht festgelegt. Zumindest dies hat er als zu seiner Natur dazugehörig erkannt und darüber möchte er berichten. So vergleicht und erzählt er sich seine Geschichte und vermisst sich so in „Tausend Gestalten“ .
Joseph Campbell stellt die These auf, dass sich der Mensch auf diese Weise Figuren erschaffe, die symbolisch für Viele stehen und deren Erzählungen und Abenteuer damit weit über das Schicksal der einzelnen Person hinausreichen.
Während die Figur des „Tyrannen“ davon erzählt, wie ein Mensch versucht dem Schicksal zu trotzen und seinen eigenen Willen dagegenstellt, berichtet die Figur des „Heros“, von einem der sein Schicksal erkennt und annimmt. Damit leistet er einen fast schöpferisch Akt. Denn das eigenen Schicksal zu erkennen scheint die schwierigste Aufgabe zu sein. Dies Erkenntnis desselben bringt den Helden dazu sich „in Freiheit“ zu beugen“. Und unter was beugt er sich nun, mag man fragen? Campbell sagt dazu:
“ Worunter aber, ist gerade das Rätsel, vor dem auch wir heute stehen und dessen Lösung zu jeder Zeit, immer und überall der historischen Tat des Helden bedarf.“ Nicht nur ist er „der sich beugt“; als einziger scheint er zu wissen, worunter es sich zu beugen gilt! Er beschreitet einen neuen Weg. Also erlöst uns der Held? Führt er damit alle anderen aus dem Dunkel ins Licht und gibt ihnen neuen „Sinn“?
Nein, natürlich nicht. Denn niemand heilt eine zerrissene Gesellschaft und keiner kittet zerbrochene Seelen, weiß Campbell. Ihnen bleibt nichts als der Tod und die Wiedergeburt.
Sie müssen sterben, um neu zu erstehen. Stirb und Werde scheint ohnehin fast das Credo der Kulturen im Sinne Campbells zu sein.
Darum schätzt Campbell die Komödie übrigens höher als die Tragödie. Aus ihr – der Komödie – spreche, aller Beschädigung des Menschen zum Trotz, die unbekümmerte, ewige Lust des Lebens. Der allmächtige Schöpfergott lacht damit sein kosmisches Gelächter und scheint dem Menschen, trotz allen individuellen Leides, zuzusichern, ein immerwährender Teil seiner nie versiegenden Schaffenskraft zu sein.
Und darin sieht, Campbell, etwas tief Tröstliches.
„Die Politik ist die wahre Tragödie“
10. Dezember 2009
Warum spricht Platon überhaupt von der Politik als einer Tragödie?
Platon nutzt den Mythos von der Spindel, um dem Menschen seine Grenzen aufzuzeigen. Zwar hat jeder sein Bestes zu geben; jedes Individuum ist herausgefordert, dem Lauf der Dinge die Richtung zu geben, die seine Vernunft ihn als die richtige erkennen lässt. Aber wie weit er damit kommt und was er erreicht, liegt nicht in seiner Hand. Insofern ist der Mythos von der Spindel ein Lehrstück in politischem Realismus.

Für den neuzeitlichen Leser enthält es die Warnung, den Sinn der Politik nicht von einem für erreichbar gehaltenen historischen Endziel abhängig zu machen. Heilsgewissheit, so würden wir heute sagen, schießt immer über das Ziel der Politik hinaus. Wenn aber die Aufgabe der Politik nicht aus ihrem geschichtlichen Ende folgt und wenn sie sich ihm nicht aus einem vorgefundenen Auftrag ergibt, kann sie sich einzig aus der Verfassung des Menschen ergeben. Er muss sich bilden und entwickeln – um seinen eigenen Ansprüchen zu genügen. Er hat seine Vernunft zu gebrauchen – weil er sie hat. Er hat sich Antworten zu geben – weil er sich selber Fragen stellt. Und er hat das Gute zu tun – weil ihn weder das Gute noch das Schöne, noch das Wahre gleichgültig lässt, denn man sieht ja, dass er sich unentwegt darauf beruft.
Alles das sind die im Menschen wirksamen Bedingungen, die Sokrates mit seiner Mäeutik zu Tage befördert, wann immer er jemanden findet, der sich in ein Gespräch mit ihm einlässt. Diese Bedingungen sind es, die den Menschen zu einem politischen Wesen machen, sie nötigen ihn, wenn auch aus eigener Einsicht, zum politischen Handeln, und sie allein sind namhaft dafür zu machen, dass die Politik die größte, schönste und wahre Tragödie ist.
Volker Gerhardt, „Die Politik ist die wahre Tragödie“
Aus dem Dezemberheft 2009, Nr. 727 Merkur Deutsche Zeitschrift für Europäisches Denken